Die Hankirche von Prächting – Wallfahrtsort mit Sage, Geschichte und weitem Blick
Hoch über dem Ebensfelder Gemeindeteil Prächting erhebt sich die Kirche Mariä Unbefleckte Empfängnis, im Volksmund besser bekannt als Hankirche. Der Name „Han“ verweist auf einen Hain – einen von Bäumen umgebenen Ort, der bereits in vorchristlicher Zeit als Kultstätte gedient haben soll. Heute ist das Gotteshaus nicht nur ein bedeutender Wallfahrtsort, sondern auch ein Platz voller Geschichte, Legenden und landschaftlicher Schönheit.
Ein Bauplatz, den der Himmel bestimmte
Nur wenige wissen, dass sich um die Entstehung der Hankirche eine alte Sage rankt. Überliefert ist sie im Buch „Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes“ von E. und K. Radunz. Demnach sollte die Kirche ursprünglich im Dorf Prächting errichtet werden. Doch während der Bauarbeiten geschahen rätselhafte Dinge:
Tagsüber errichteten die Maurer das Mauerwerk – doch am nächsten Morgen waren die behauenen Steine verschwunden. Drei Tage hintereinander wiederholte sich dieses unerklärliche Geschehen. Schließlich entdeckten die Arbeiter die Steine auf einer nahegelegenen Anhöhe – genau in der Anordnung, wie sie sie zuvor gesetzt hatten.
Rat suchend wandten sich die Bauleute an den Pfarrer von Ebensfeld. Seine Deutung war eindeutig: Der Allmächtige selbst habe den Ort für sein Gotteshaus bestimmt. Nicht im Tal, sondern auf dem Berg solle die Kirche stehen. Die Bauern folgten diesem Rat, und der Bau wurde auf der Höhe ohne weitere Zwischenfälle vollendet. Seitdem grüßt die ehrwürdige Hankirche von der grünen Anhöhe aus Wanderer und Besucher aus der Ferne.
Barocke Pracht und verehrtes Gnadenbild
Im Inneren überrascht die Kirche mit einer reichen barocken Ausstattung. Besonders verehrt wird ein etwa 50 Zentimeter großes spätgotisches Gnadenbild der Muttergottes, das seit Jahrhunderten Gläubige aus Prächting und der Umgebung anzieht. Die Hankirche ist daher nicht nur Pfarrkirche, sondern auch katholische Wallfahrtskirche Maria Immaculata.
Der heutige Bau entstand ab 1713 als barocke Saalkirche mit eingezogenem Chor. Das Langhaus errichteten die Maurermeister Christoph Leidner und Andreas Reinthaler aus Ellingen, der auch die Veitskapelle baute. Für Chor und Turm war der Staffelsteiner Maurermeister und Ratsherr Johann Thomas Nißler verantwortlich, der zudem an der Basilika Vierzehnheiligen beteiligt war. Zwischen 1765 und 1767 wurden Chor und Turm fertiggestellt, 1782 folgte der Hochaltar.
Ziel für Pilger, Radfahrer und Wanderer
Die Hankirche liegt am Radpilgerweg Oberfranken und ist Teil der rund 580 Kilometer langen Oberfränkischen Marientour, die in zehn Etappen rund um Bamberg führt. Entlang der Strecke liegen 52 Heiligtümer, darunter 40 Marienwallfahrtsorte. Die Hankirche zählt zu den markanten Stationen dieser Route, ebenso wie die Veitsbergkapelle und die Basilika Vierzehnheiligen.
Auch Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten: In der Nähe verlaufen der Jakobsweg sowie der etwa 13 Kilometer lange Keltenweg E. Rund 150 Meter westnordwestlich der Kirche befindet sich zudem ein mittelalterlicher Turmhügel, ein weiteres Zeugnis der langen Geschichte dieses Ortes.
Ein Ort zwischen Geschichte und Landschaft
Erreichbar ist die Hankirche sowohl von Prächting als auch von Kutzenberg; Parkmöglichkeiten befinden sich hinter dem Gotteshaus. Doch am eindrucksvollsten erlebt man den Ort zu Fuß oder mit dem Rad: Wenn sich nach dem Anstieg der Blick über die fränkische Landschaft öffnet und die Kirche auf ihrer Höhe erscheint, wird spürbar, warum dieser Platz seit Jahrhunderten als besonderer Ort gilt.
Die Hankirche vereint Sage, Glauben und Geschichte – und bleibt bis heute ein stiller, eindrucksvoller Anziehungspunkt für Pilger, Wanderer und alle, die oberfränkische Kultur entdecken möchten.
Quelle für diesen Text ist der Artikel "Die sagenumwobene Hankirche bei Prächting" von Andreas Motschmann, erschienen im Obermain-Tagblatt.
