Zum Inhalt springen

400 Jahre Pfarrei Kleukheim – Dr. Norbert Jung wirft einen Blick auf die Geschichte

Vortrag Dr. Norbert Jung
Datum:
Veröffentlicht: 3.3.26
Von:
Svenja Lange
Im Pfarrheim Kleukheim fand am Freitag, 27. Februar, der Vortrag „Streiflichter aus 400 Jahren Pfarreigeschichte“ statt. Referent war Dr. Norbert Jung, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land. Mit großer Sachkenntnis spannte er den Bogen von der Gründung der Pfarrei bis in die Gegenwart.
Vortrag Dr. Norbert Jung

Die Wurzeln der Pfarrei St. Wolfgang in Kleukheim reichen bis zum 11. November 1625 zurück. Der damalige Bamberger Weihbischof und Generalvikar Friedrich Förner unterzeichnete im Auftrag des Bischofs und Landesherrn Johann Georg Fuchs von Dornheim den Fundationsbrief für die neu errichtete Pfarrei. Zu ihr gehören neben Kleukheim auch Ober- und Unterküps sowie Kümmel. Förner hatte Kleukheim bereits 1611 bei einer Visitation kennengelernt. Die damalige, dem heiligen Wolfgang geweihte Kapelle war baufällig und als Pfarrkirche ungeeignet. Deshalb entstand unter Baumeister Giovanni Bonalino ein neues steinernes Gotteshaus, das 1628 eingeweiht wurde.

Die folgenden Jahre waren vom Dreißigjährigen Krieg überschattet. Die Wirren dieser Zeit belasteten die junge Pfarrei schwer; erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts normalisierte sich die Lage allmählich. Zugewanderte Familien aus dem Frankenwald halfen, die durch Kriegseinwirkungen dezimierte Bevölkerung wieder zu stärken.

Verbindung zwischen Kleukheim und Papst Leo XIV.

Eine bemerkenswerte Persönlichkeit jener Zeit war Johann Wachter, 1682 in Kleukheim geboren. Er brachte es bis zum Mesner am Stephansdom in Wien und wirkte dort auch als Stadtrat. Seiner Heimat blieb er eng verbunden und stiftete unter anderem zwei kostbare Barockkelche, einen Kreuzpartikel, ein Vitus-Reliquiar sowie eine Kopie des Gnadenbildes „Maria vom Guten Rat“ aus der Augustinerhofkirche in Wien. Das Original befindet sich in Genazzano und wurde jüngst vom neuen Papst Leo XIV. besucht, der bekanntlich Augustiner ist, was der Referent als überraschende aktuelle Verbindung zur Kleukheimer Geschichte hervorhob.

Wirtschaftlicher Aufschwung im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert zeugten Neubauten – etwa des Pfarrhauses, der Veitskapelle und des erweiterten Kirchenschiffs – von einer wirtschaftlichen Erholung. Das Wappen des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn über dem Kirchenportal erinnert noch heute daran. Auch die barocke Frömmigkeit blühte: 1796 trafen zum Wendelinifest 16 Wallfahrten ein, sodass wegen des großen Zulaufs sechs Beichtväter nötig waren.

Umstrittener Pfarrer während Weimarer Republik

Ein besonders prägender, wenn auch umstrittener Pfarrer war Wilhelm Würzberger, der von 1905 bis 1936 im Ort amtierte. Würzberger war ein Sonderling und Außenseiter, der sich mit allen und jedem anlegte und sich oft im Ton vergriff. Er polarisierte nach dem Ersten Weltkrieg mit nationalistischen und antisemitischen Positionen, geriet zeitweise in Konflikt mit kirchlichen wie staatlichen Stellen und wurde schließlich mit Rede- und Schreibverbot belegt. „Nach der von ihm begrüßten Machtergreifung Hitlers wurde er jedoch von den Nationalsozialisten kaltgestellt und musste nach einem Hirnschlag in seine badische Heimat zurückkehren“, so Dr. Norbert Jung.

Neue Herausforderungen im 21. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das kirchliche Leben nochmals eine Blüte. Eine Niederlassung der Abenberger Schwestern entstand, Kindergarten und Pfarrheim wurden gebaut, zahlreiche Ordensberufe gingen aus der Gemeinde hervor. Bis in die 1960er Jahre erschien die Gemeinde fast vollzählig zum Gottesdienst, wie der damalige Erzbischof Schneider anerkennend attestierte.

Heute steht die Pfarrei – wie viele Gemeinden – vor neuen Herausforderungen. Etwa 20 Prozent der Katholiken besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst. Aber im Vergleich zu den Verhältnissen anderswo kann sich das immer noch gut sehen lassen, so Dr. Jung. Viele Ehrenamtliche und der Ruhestandspfarrer Udo Zettelmeier engagieren sich für das Gemeindeleben. Wie schon in früheren Krisenzeiten werde sich die Gemeinde auch künftig behaupten – wenn auch in veränderter Form.

400 Jahre Pfarrei Kleukheim

Der Vortrag von Dr. Norbert Jung fand im Rahmen des Jubiläumsjahrs zum 400-jährigen Bestehen der Pfarrei Kleukheim statt. Die Feierlichkeiten dauern noch bis November 2026 an. In den kommenden Wochen sind folgende Highlights geplant. 

  • Am Freitag, 20. März, geben die „Gregorian Voices“ in der Pfarrkirche ein Konzert der besonderen Art. Die Sänger, gekleidet in traditionelle Mönchskutten, entführen das Publikum mit ihrer Musik auf eine Zeitreise in das mittelalterliche, geistliche Musikrepertoire. Im zweiten Teil des Konzerts erklingen Klassiker der Popmusik. Der Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr, Im Vorverkauf sind noch wenige Tickets erhältlich.
  • Am Sonntag, 5. April, lädt die gesamte Pfarrgemeinde um 5 Uhr zur Osternacht in die Pfarrkirche mit anschließendem Osterfrühstück im Pfarrheim ein.
  • Am Pfingstmontag, 25. Mai, gibt es ab 10 Uhr einen Festgottesdienst in der Pfarrkirche, gefolgt von einem Pfarrfest im Pfarrheim. Am Nachmittag öffnet die Kita St. Josef ihre Türen für Interessierte.
  • Das Festjahr endet am Samstag, 7. November, mit einem Gottesdienst um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche und einem Lichterabend mit Texten und Gesang, gestaltet vom Chor „Gedankensprung“.

Zur Person Dr. Norbert Jung

Dr. Norbert Jung, geboren am 3. Dezember 1967 in Bamberg und aufgewachsen in Ebensfeld, studierte nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung Religionspädagogik und Theologie in Eichstätt, Bamberg und Mexiko-Stadt. Seine kirchengeschichtliche Dissertation widmete er dem Speyerer Weihbischof Andreas Seelmann (1732–1789).

2001 wurde er zum Priester der Erzdiözese Bamberg geweiht. Nach Tätigkeiten als Kaplan und Pfarradministrator berief ihn Ludwig Schick 2006 zu seinem persönlichen Referenten. 

Von 2010 bis 2020 leitete Jung die Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, wurde 2011 Domkapitular und 2012 Summus Custos am Bamberger Dom. Seit dem 1. September 2020 ist er Pfarrer von St. Ludwig in Ansbach und leitet den Katholischen Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land. Zudem steht er der Pilgerstelle des Erzbistums Bamberg vor.

Vortrag Dr. Norbert Jung