90. Geburtstag Pfarrer i. R. Monsignore Gerhard Hellgeth


Bad Staffelstein: Neun Jahrzehnte Leben, davon mehr als sechs Jahrzehnte im priesterlichen Dienst: Pfarrer i. R. Monsignore Gerhard Hellgeth hat am Reformationstag seinen 90. Geburtstag im Kreis seiner Pfarrgemeinde Sankt Kilian gefeiert. Mit einem festlichen Gottesdienst, persönlichen Glückwünschen und vielen Erinnerungen würdigten zahlreiche Wegbegleiter das Lebenswerk eines Geistlichen, der die katholische Kirche in Bad Staffelstein und weit darüber hinaus über Jahrzehnte geprägt hat.
Der Festgottesdienst fand am Samstagabend in der Pfarrkirche Sankt Kilian statt. Dekan Lars Rebhan zelebrierte ihn gemeinsam mit Pfarrer Walter Ries sowie den Pfarrern im Ruhestand, Wolfgang Schrebel und Sebastian Palapparampil. Das Geburtstagskind nahm im Rollstuhl neben dem Volksaltar teil. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Nothelferkapelle sowie Sebastian Schütz an der Orgel.
In seiner Predigt erinnerte Dekan Rebhan an Hellgeths langjährigen priesterlichen Dienst, seine tiefe Verbundenheit mit der fränkischen Heimat und die bleibenden Spuren, die er im Leben vieler Menschen hinterlassen habe. Hellgeth sei ein Seelsorger mit klaren Vorstellungen gewesen, der seine Aufgaben sehr ernst genommen habe und mitunter auch als streng galt. Dabei habe er jedoch stets die Menschen im Blick gehabt. Besonders anschaulich bringe dies ein Satz zum Ausdruck, der vielen Gemeindemitgliedern in Erinnerung geblieben sei: „Wenn du ein Problem mit jemandem hast, dann stell etwas zu Essen auf den Tisch.“ Darin zeige sich seine Überzeugung, dass Begegnung, Gemeinschaft und Versöhnung wichtige Wege seien, um aufeinander zuzugehen.
Als Mann des Wortes habe Hellgeth ebenfalls bleibende Akzente gesetzt. Mit seinen handgeschriebenen Predigten, seiner Tätigkeit als Rundfunkprediger für den Bayerischen Rundfunk sowie mit Gedichten und Büchern in fränkischer Mundart habe er viele Menschen erreicht. Seine Heimatverbundenheit und die persönliche Nähe zu den Gemeindemitgliedern haben sein Wirken geprägt. Dazu gehörten auch ungewöhnliche Begegnungen, etwa beim Fußballspielen mit den Ministranten.
Mit Blick auf das bevorstehende Allerheiligenfest machte Rebhan deutlich, dass Heiligkeit nicht Fehlerlosigkeit bedeute. Vielmehr gehe es darum, den eigenen Lebensweg mit Gott und den Mitmenschen zu gestalten. Deshalb dürfe man den Jubilar mit all seinen Stärken und Ecken und Kanten würdigen und dankbar auf das Gute blicken, das durch ihn entstanden sei. Auch das Älterwerden sprach der Dekan an: Wenn die Kräfte nachlassen und manches nicht mehr möglich sei, bleibe die Würde eines Menschen unantastbar. „Der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, was er noch leisten kann“, betonte Rebhan. Wer lange für andere da gewesen sei, dürfe selbst Fürsorge erfahren und sich getragen wissen. Von neunzig Lebensjahren blieben Predigten, Gedichte, Erinnerungen und Begegnungen, aber auch Worte und Gesten, die weit über den Augenblick hinauswirkten. Die Gewissheit, dass Gottes Treue einen Menschen durch alle Lebensphasen begleite, bilde dabei die zentrale Botschaft des Glaubens.
Abschließend gratulierte Rebhan dem Jubilar und dankte Gott für dessen Leben und priesterlichen Dienst. Als Geschenk überreichte er eine Kerze des Dekanats Coburg. Die langjährigen Wegbegleiterinnen Hildegund Dippold und Lilo Ziegler trugen abschließend ein Gedicht vor. Nach dem Gottesdienst nahm Hellgeth zahlreiche Glückwünsche entgegen und musste viele Hände schütteln. Auf persönliche Geschenke hatte er verzichtet; stattdessen bat er um Spenden für Schwester Margarete Zeis in Tansania und das Hilfsprojekt von Pfarrer Walter Ries im Libanon. Bereits im Vorfeld hatte Bürgermeister Mario Schönwald die Glückwünsche der Stadt überbracht.
Geboren wurde Gerhard Hellgeth in Steinwiesen im Landkreis Kronach. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Bamberg und studierte anschließend Theologie an der dortigen Hochschule. Am 19. März 1962 empfing er in Bamberg die Priesterweihe. Seine erste Station führte ihn als Kaplan nach Staffelstein, wo er zwei Jahre wirkte. 1965 wechselte er an das Bamberger Aufseesianum und betreute dort bis 1972 als Präfekt die Schüler des Studienseminars.
Mit 36 Jahren übernahm Hellgeth schließlich seine erste eigene Pfarrei: Staffelstein. Die Stadt kannte er bereits aus seiner Kaplanzeit. Hier wirkte er 37 Jahre lang als Stadtpfarrer, bis er 2002 in den Ruhestand trat. Von 1984 bis 2008 stand er zudem als Dekan an der Spitze des katholischen Dekanats Lichtenfels. Später übernahm er weitere Verantwortung im Seelsorgebereich Banzer Stift – Bad Staffelstein – Lautergrund sowie als Pfarradministrator von Uetzing und Frauendorf.
Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Hellgeth vielfach ausgezeichnet. Er ist Ehrenbürger von Bad Staffelstein und Träger der Ehrenmedaille der Stadt, der Oberfrankenmedaille sowie des Bundesverdienstkreuzes. 1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. auf Vorschlag des damaligen Bamberger Erzbischofs Karl Braun aufgrund seiner Tätigkeit als Rundfunkprediger zum Päpstlichen Kaplan. Der Titel Monsignore sei ihm persönlich zwar nicht das Wichtigste, doch stehe er für seine Verbundenheit mit der Kirche und sein jahrzehntelanges Engagement für die Gemeinde. Mit seinem 90. Geburtstag blickt Gerhard Hellgeth auf ein bewegtes Leben zurück – und auf eine Zeit, in der er das kirchliche und gesellschaftliche Leben Bad Staffelsteins entscheidend mitgestaltet hat.


