Barockes Kunstjuwel wieder für die Öffentlichkeit zugänglich


Das rund 300 Jahre alte Chorgestühl der Stiftskirche des Klosters Banz gilt als Meisterwerk barocker Kunst – doch der Zahn der Zeit hatte Spuren hinterlassen. Nach dreijähriger Restaurierung wurde es am Donnerstag, 2. Oktober, im Rahmen eines Festaktes zurück in die Hände des Seelsorgebereichs Gottesgarten gegeben – bestens instandgesetzt für die Zukunft und bereit, von Besucherinnen und Besuchern bestaunt zu werden.
Kunstvolle Einlegearbeiten, die Szenen aus dem Leben des heiligen Benedikt zeigen, machen das Mönchsgestühl aus Nussbaumholz in der ehemaligen Benediktinerabtei von Banz zu einem außergewöhnlichen Kunstschatz. Johann Georg Neßtfell, Kunstschreiner des Spätbarocks, fertigte es 1734 in mühe- und kunstvoller Handarbeit an. Edle und teils kostspielige Werkstoffe fanden Verwendung: Schildpatt, Perlmutt, Gold, Zinn, Elfenbein, Horn, Kupfer, Birnbaum – eine Vielfalt an Materialien, die ein Team aus freiberuflichen Restauratoren der Fachbereiche Holz, Metall und Skulptur um Dipl.-Rest- Anja Fuchs und unter der fachlichen Leitung von Restauratorinnen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege bearbeitete (BLfD).
Kosten der Restaurierung betragen rund 320.000 Euro
„Diese Restaurierung ist ein Zeugnis von Leidenschaft und Präzision. Ein herausragendes Restauratoren-Team hat mit Fachwissen, Geduld und unermüdlichem Einsatz diesen Kunstschatz vor weiterem Verfall und unwiederbringlichen Schäden gerettet. Kulturgüter zu erhalten, ist eine anspruchsvolle, aber auch ungemein bereichernde Aufgabe. Sie belohnt uns mit dem schönen Gefühl, etwas Bleibendes für die Nachwelt bewahrt zu haben“, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator am BLfD.
Eine unsachgemäße Restaurierung mitsamt Auf- und Abbau in den 1950er Jahren sowie schädliche Licht- und Klimaeinflüsse hatten dem in der Klosterkirche versteckt hinter dem Altarraum liegenden Gestühl dramatisch zugesetzt. Loses und verblasstes Furnier, Risse im Holz, die Zinnkorrosion, Schollenbildung und abgeplatzte Vergoldungen – der Zustand des Gestühls im Jahr 2021 war alarmierend. Umso entscheidender, dass es dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gelang, die Finanzierung der dringend notwendigen Restaurierungsarbeiten zu sichern. Die Messerschmitt Stiftung, die sich dem Erhalt von Kunst- und Kulturdenkmälern verschrieben hat, übernahm die Kosten in Höhe von 316.800 Euro. Das Gestühl kann von Besucherinnen und Besuchern in der Stiftskirche St. Dionysius und St. Petrus demnächst besichtigt werden (detaillierte Informationen folgen an dieser Stelle baldmöglichst).
„Die Stiftskirche in Banz und das Chorgestühl sind für eine Vielzahl von Menschen von großer Bedeutung“, unterstreicht Walter Ries, der leitende Pfarrer im Seelsorgebereich Gottesgarten. „Wir möchten dieses Chorgestühl wieder mit Leben füllen, indem wir Gottesdienste und Andachten dort anbieten. Wenn christliche Gruppen religiöse Feiern halten möchten, werden wir versuchen, dies zu ermöglichen.“ Kunstinteressierte schätzten zudem diese kunsthistorisch äußerst bedeutsame Kirche hier in Franken. „Allen Touristen in der Region empfehle ich besonders unsere exklusiven Führungen, die wir im Rahmen der Sonderausstellung im Museum Kloster Banz anbieten“, so Ries weiter.
Sonderausstellung zur Restaurierung bis März 2026
Das Museum der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) im Kloster Banz zeigt bis 1. März 2026 die Sonderausstellung „Zeichen der Zeit – Die Konservierung und Restaurierung des Chorgestühls in der Klosterkirche Banz“. Sie wurde von HSS zusammen mit dem BLfD kuratiert und wird von der Messerschmitt Stiftung finanziell getragen. Der Lions Club Lichtenfels finanzierte die Museumpädagogik. In der interaktiven Ausstellung können Gäste in die Geschichte des Chorgestühls eintauchen und die anspruchsvollen wie aufwendigen Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen visuell und haptisch erleben. Öffentliche Vorträge, Workshops und Themenführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie für Schulen und Bildungseinrichtungen komplementieren die Ausstellung. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Homepage der HSS.
Führungen Klosterkirche Banz
Das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl der Stiftskirche St. Dionysius und St. Petrus in Kloster Banz kann ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die Führungen finden an den Samstagen, 11., 18. und 25. Oktober, jeweils um 15 Uhr statt. Der Eintritt beträgt 7,00 €.
Während der rund einstündigen Führung erhalten die Besucher spannende Einblicke in die Geschichte des Chorgestühls sowie in die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen der vergangenen drei Jahre. Eine zusätzliche Führung bietet Dr. Torsten Renner, Kurator des Museums Kloster Banz, am Mittwoch, 15. Oktober, ebenfalls um 15 Uhr an.
Darüber hinaus lädt der Seelsorgebereich Gottesgarten noch bis Sonntag, 26. Oktober, regelmäßig zu Führungen durch die Klosterkirche Banz ein:
Immer sonntags um 14 Uhr und donnerstags um 15 Uhr treffen sich Interessierte am Haupteingang der Kirche St. Petrus und St. Dionysius.
Eintrittspreise für die regulären Kirchenführungen:
Erwachsene: 5,00 €
Kinder (6 bis 14 Jahre): 2,50 €
