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Die Pfarrei St. Kilian im Wandel der Jahrhunderte

Vortrag Pfarreigeschichte St. Kilian
Datum:
Veröffentlicht: 13.7.26
Von:
Svenja Lange
Ein facettenreiches Bild der religiösen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Pfarrei St. Kilian zeichnete Prof. Dr. Günter Dippold am Mittwoch, 8. Juli, bei einem Vortrag in der Stadtpfarrkirche St. Kilian.
Vortrag Pfarreigeschichte St. Kilian

Ein eindrucksvoller Streifzug durch die Jahrhunderte der Staffelsteiner Pfarrgeschichte stand im Mittelpunkt eines gut besuchten Vortrags am vergangenen Mittwochabend, 8. Juli, in der Stadtpfarrkirche St. Kilian in Bad Staffelstein. Referent Prof. Dr. Günter Dippold zeichnete ein facettenreiches Bild der religiösen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung – von den frühen Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Ursprünge der Pfarrkirche St. Kilian reichen vermutlich in die Zeit vor der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 zurück. Die Wahl des heiligen Kilian als Kirchenpatron deutet auf eine frühe Zugehörigkeit zur Diözese Würzburg hin. Erst später wurde Staffelstein Teil des Bistums Bamberg, dessen Domkapitel über Jahrhunderte hinweg die Vogtei und Gerichtsbarkeit ausübte und damit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes nahm. Bereits im 12. Jahrhundert war Staffelstein von adligen Herrschaftsstrukturen geprägt. Mit der Verleihung des Marktrechts im Jahr 1156 erhielt der Ort wirtschaftlichen Aufschwung, da Händler ihre Waren abgabenfrei anbieten durften.

Neben weltlichen Herrschern wie Friedrich von Rothenburg und Graf Adalbert von Lothringen spielten später auch bedeutende Adelsfamilien eine Rolle, die das Patronatsrecht über die Pfarrkirche innehatten. Parallel zur Pfarrkirche entstanden weitere religiöse Zentren, wie die St.-Georgs-Kapelle und die Kreuzkapelle. Im Spätmittelalter wurde die Pfarrei mehrfach neu organisiert, während das Bamberger Domkapitel seine Stellung als geistliche und weltliche Autorität bis ins 19. Jahrhundert behauptete. Mit der Reformation erreichte im 16. Jahrhundert eine Phase tiefgreifender Umbrüche auch Staffelstein. Die Einführung lutherischer Prediger führte zu Spannungen zwischen katholischer Obrigkeit und Teilen der Bevölkerung. Trotz zeitweiliger evangelischer Strukturen blieb die katholische Kirche prägend, nicht zuletzt durch die konsequente Gegenreformation.

In den folgenden Jahrhunderten spiegelten zahlreiche Um- und Neubauten die Bedeutung des Ortes wider. Kirchen und Kapellen wurden erweitert, renoviert und an veränderte Bedürfnisse angepasst. Die Pfarrkirche St. Kilian blieb dabei stets das geistliche Zentrum. Erst die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts beendete die jahrhundertelange Vorherrschaft des Domkapitels. Gleichzeitig wandelte sich das religiöse Leben: Wallfahrten, Reformen und später auch die Religionsfreiheit führten zu einer neuen Dynamik. Neben katholischen Erneuerungsbewegungen gewann auch die evangelische Gemeinde an Bedeutung, was sich unter anderem im Bau eigener Kirchen widerspiegelte.

Das 20. Jahrhundert brachte weitere Herausforderungen. Politische Spannungen, insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus, prägten auch das kirchliche Leben. Geistliche, wie Kaplan Martin Fröschl (1894-1969) positionierten sich offen gegen das Regime. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte der Zuzug von Heimatvertriebenen die konfessionelle Struktur erneut. Heute steht die Pfarrkirche St. Kilian sinnbildlich für die lange und bewegte Geschichte Staffelsteins. Sie vereint Tradition und Wandel und zeugt von der engen Verflechtung von Glaube, Gesellschaft und Politik. Der Vortrag machte deutlich, dass die Entwicklung der Pfarrei weit mehr ist als lokale Geschichte – sie ist ein Spiegel der gesamten Region.