Fasten ist zeitgemäß

„Fasten“ galt bei vielen Bundesbürgern als Inbegriff einer lebensfeindlichen religiösen Einstellung, eben: veraltet. Lächerlich gemacht, da doch der Verzicht auf Süßigkeiten eine Lappalie sei, man statt auf Fleisch, das Rauchen oder Alkohol zu verzichten „was anderes Sinnvolles“ tun könne. Wobei ich die deprimierende Selbst-Erfahrung machen musste, dass ich dieses „andere Sinnvolle“ nie über gute Vorsätze hinaus verwirklichte. Besser ist: Beides tun.
Empfohlen wurde dagegen das Fasten aus Gesundheitsgründen (überblicken Sie noch die Vielzahl der Diäten?). Als anständige Bürger sollen wir aus Umweltgründen Benzin sparen und am besten auf Fleisch ganz verzichten. Und gegen den hohen CO2-Ausstoß und Putin bei Gas, Heizung und Duschen fasten. Plastik sowieso. Nicht bei gesundheitsschädlichen und dumm-machenden Drogen ...
Misereor hat zu obigen Anliegen, die ja nicht falsch sind, erinnert: Millionen Menschen leben am Rand des Verhungerns. Unser vielfältiges Fasten ist gelebte Solidarität, höchst vernünftig, ja sogar für Millionen Menschen lebensrettend.
Zudem empfinde ich es gar nicht als Verzicht, sondern freue mich, dass ich vieles, was mir die Werbung aufschwätzt, einfach gar nicht brauche. Ich fühle mich dadurch frei! Fasten kann glücklich machen. Wir wollen also nicht das Himmelreich „er-fasten“, denn wir müssen Gott nichts bieten. Aber es hilft – über die gesundheitlichen und solidarischen Ziele hinaus – uns körperlich und geistig auf Wesentliches zu konzentrieren. Wenn ich nicht immer alles sofort haben muss, macht mich das ein Stück weit frei, tut es mir – und anderen – gut.
Übrigens: Nicht soll gefastet, sondern sogar vermehrt geübt werden: Freundschaften und Beziehungen pflegen. Liebe schenken und erfahren. Zuwendung intensivieren. Phantasie blühen lassen. Gespräche führen und sich füreinander Zeit nehmen. Musik hören und lesen. Natur und Sonne genießen, aber sich auch über einen guten Regenschirm freuen. Hoffnung schöpfen. Verzeihen. Neu anfangen. Denken. Beten. Gottesdienste besuchen. Endlich einmal selbst in der Bibel lesen. All das gilt nicht nur für die Fastenzeit.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, wohltuendes und heilsames Fasten.
Ihr Udo Zettelmaier, Pfr.i.R., Ebensfeld
und das Seelsorgeteam im Gottesgarten