Fränkischer Theatersommer in Vierzehnheiligen


Historische Kulisse, milde Temperaturen und ein Hauch von Nostalgie – der Fränkische Theatersommer hat im Hof des Hauses Frankenthal eindrucksvoll gezeigt, wie wirkungsvoll Freilichttheater sein kann. Mit „In der Bar zum Grammophon“ gelang eine Inszenierung, die das Publikum nicht nur unterhielt, sondern auch zum Nachdenken anregte und die Vergangenheit überraschend gegenwärtig erscheinen ließ. Im stimmungsvollen Ambiente nahe der Basilika entwickelte sich von Beginn an eine dichte Atmosphäre, die die Zuschauer unmittelbar in ihren Bann zog.
Lorraine Beran und Franz Zwosta überzeugten mit großer Spielfreude und feinem Gespür für Zwischentöne. Ein alter Koffer fungierte dabei als zentrales Requisit und zugleich als dramaturgischer Schlüssel: Er öffnete den Zugang zu einer Epoche im Umbruch und führte durch die facettenreichen 1920er Jahre. Was zunächst unscheinbar wirkte, entfaltete rasch seine erzählerische Kraft. Der Inhalt des Koffers machte eine Zeit erlebbar, die von technischem Fortschritt und gesellschaftlichem Wandel geprägt war. Die Anfänge der Radioausstrahlung, die Faszination für Jazz, die Ära der Luftschiffe und medizinische Innovationen wurden anschaulich und unterhaltsam vermittelt. Dabei verband das Ensemble historische Inhalte mit lebendigen Dialogen und pointiertem Humor.
1920er geprägt vom Aufbruch in der Gesellschaft
Zugleich zeichnete die Inszenierung ein differenziertes Bild der sogenannten „Goldenen Zwanziger“. Die Emanzipation der Frau gewann an Dynamik – zumindest für jene, die sich ein selbstbestimmtes Leben leisten konnten. Sie ging aus, rauchte, trieb Sport und saß selbst am Steuer eines Automobils. Dieses Bild des Aufbruchs blieb jedoch nicht frei von gesellschaftlichen Grenzen und Widersprüchen. Besondere Akzente setzte die musikalische Gestaltung. Eingestreute Schlager verliehen der Aufführung Leichtigkeit und spiegelten zugleich die Ambivalenz jener Jahre wider. Zwischen Lebensfreude und latenter Unsicherheit entstand ein Spannungsfeld, das sich durch den gesamten Abend zog. Das Publikum honorierte die Darbietung mit langanhaltendem Applaus. Die Nähe zwischen Bühne und Zuschauern verlieh der Aufführung zusätzliche Intensität und verstärkte die Wirkung des Geschehens.
Zweijährige Recherchearbeit
Dass hinter diesem scheinbar mühelosen Abend eine intensive Vorarbeit steht, zeigt ein Blick hinter die Kulissen. Zwei Jahre lang recherchierte Franz Zwosta für das Projekt. Alte Zeitungsartikel, historische Quellen und musikalische Zeugnisse bildeten die Grundlage der Inszenierung. „Gerade im Internet findet man viele Materialien – aber erst im Detail merkt man, wie lebendig Geschichte ist“, so Zwosta. Besonders beeindruckt zeigten ihn Berichte über frühe Radiotelefonie-Vorführungen, die den technischen Aufbruch jener Zeit eindrucksvoll dokumentieren. Auch persönliche Erinnerungen fanden ihren Weg auf die Bühne. Viele der verwendeten Lieder stammen aus Zwostas familiärem Umfeld. „Einige hat mir meine Oma vorgespielt, ich habe noch ihre Noten“, erzählte er. Diese authentischen Elemente verleihen dem Stück eine besondere Nähe und Glaubwürdigkeit. Ein funktionierendes Grammophon rundete das Bühnenbild ab und sorgte für ein unmittelbares Klangerlebnis. Für Zwosta ist Theater mehr als Unterhaltung: „Es ist ein Ort der Begegnung.“ Begegnung mit Geschichte, Musik und nicht zuletzt mit dem Publikum. Diese Haltung prägt die Inszenierung spürbar und macht den Abend zu einem Erlebnis, das informiert, berührt und verbindet.
Weitere Veranstaltungen am 25. Juni und 16. Juli
Im Rahmen der Reihe „Im Schatten der Basilika“ stehen bereits weitere Veranstaltungen auf dem Programm: Am 25. Juni liest Pater Zacharias Heyes Geschichten vom kleinen Mönch, am 16. Juli präsentiert der fränkische Liedermacher Wolfgang Buck sein Programm „Immerweider“.




