Führung in den Katakomben der Stiftskirche Kloster Banz

Unter dem Motto „Gruselig oder heilig?“ öffnete am Allerseelentag die Stiftskirche in Banz ihre Pforte, um sich von einer besonderen Seite zu zeigen. Den Auftakt bildete am Abend ein Gedenkgottesdienst mit Pfarrvikar Markus Grasser, bei dem aller Verstorbenen gedacht wurde. Im Anschluss führte eine Lichterprozession in die Krypta der Kirche, die einst als Grablege der Mönche diente. Dort wurden vom Pfarrvikar die Grabstellen mit Weihwasser besprengt und alle Besucherinnen und Besucher konnten die Krypta bestaunen. Eine Nachtführung rundete das Programm ab.
Die Ursprünge von Kloster Banz: Vom Schloss zur Tagungsstätte
Die Teilnehmer erhielten einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Klosterkirche und erfuhren mehr über die vier Katakombenheiligen sowie über die Herkunft und Bedeutung der dort aufbewahrten Gebeine. Anita Gottschlich, die Mesnerin aus Kloster Banz, konnte zu Beginn der Führung rund 60 Interessierte in der Stiftskirche begrüßen. Sie erklärte, dass Banz ursprünglich eine Burg war, die nach den Schicksalsschlägen von Gräfin Alberada von Schweinfurt und ihrem Mann, dem Grafen Hermann von Habsberg-Kastl einem Benediktinerkloster gestiftet wurde. Die Benediktinerabtei war bis zur Säkularisation (1803) das älteste Kloster am Obermain. 1814 erwarb schließlich Herzog Wilhelm in Bayern die ehemalige Klosteranlage, die in der Folgezeit als „Schloss Banz“ bezeichnet und zur Sommerresidenz wurde.
Heilige und Reliquien: Ein faszinierender Einblick in die Kirchengeschichte
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mieteten sich die Trappisten ein. 1933 wurde es von der Ordensgemeinschaft der heiligen Engel erworben, die sich der Seelsorge bei den katholischen Auslandsdeutschen widmete. 1978 überließ die Gemeinschaft von den heiligen Engeln das einstige Kloster der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, der es seitdem als Tagungsstätte dient. Die Kirche aber gehört der Pfarrei Banz, die es immer schwerer hat, diese spätbarocke Kirche zu erhalten. „Hier in Banz finden wir eine Vielzahl von Heiligen“, erklärte Anita Gottschlich und zeigte dabei auf den heiligen Otto, der die wieder erneuerte Abteikirche weihte, sowie auf die Kirchenpatrone, den heiligen Petrus und den heiligen Dionysius, ebenso den heiligen Paulus und den heiligen Wolfgang von Regensburg. Weiterhin findet man den heiligen Kilian von Würzburg, dem Banz in geistigen Dingen unterstand, und den heiligen Bonifatius, der als Apostel der Deutschen bekannt ist. Papst Gregor, der den gregorianischen Chor erfand, steht in einer Nische über dem Dreikönigsaltar.
Reliquienverehrung: Die heiligen Leiber in Banz
In der katholischen Kirche spielen Reliquien eine große Rolle – man findet sie meistens entweder im oder unter dem Zelebrantensaltar. Die Reliquienverehrung geht auf das zweite Jahrhundert zurück. Früh wurde von Wundern in Zusammenhang mit Reliquien berichtet, oft begannen Wallfahrten zu den Reliquienorten. Die Verehrung von Reliquien gilt als die älteste Heiligenverehrung. Dabei unterscheidet man verschiedene Reliquienklassen: Die erste Klasse ist beispielsweise ein Leichnam. Zur zweiten Klasse gehören Gegenstände, die mit dem Heiligen in Berührung gekommen sind. „In Banz finden wir nicht nur unzählige Teilreliquien an den Seitenaltären, sondern auch vier Ganzkörperreliquien, die sogenannten heiligen Leiber“, erklärte Gottschlich während der Führung. Am Hochaltar seien der heilige Vincentius und der heilige Valerius zu finden. Zwei Reliquien seien unter Abt Gregor Stumm von zwei jungen Burschen über die Alpen von den römischen Katakomben nach Banz gebracht worden. „Über ein Jahr soll die Reise gedauert haben. Von Bamberger Klosterschwestern wurden sie eingekleidet und mit Klosterarbeiten aufgehübscht, daraufhin in gläsernen Scheiben drapiert und in die Altäre eingepasst“, so die Mesnerin. Am linken Seitenaltar findet man die Ganzkörperreliquien des heiligen Felix und rechts den Körper des heiligen Benediktus. Bei der Nachtführung wurden sie sichtbar und in stimmungsvolles Licht getaucht. Das Jahr über sind beide mit einer Platte verdeckt. Die Reliquie unter dem Volksaltar stammt vom heiligen Otto, wie auch die, die im Altar in der Krypta eingelassen ist.




