Hoffnung durch Bildung – ein besonderes Schulprojekt im Libanon

Seit mehreren Jahren engagiert sich der Leitende Pfarrer im Seelsorgebereich Gottesgarten zusammen mit Freunden und seiner früheren Gemeinde Stegaurach für ein Schulprojekt im Libanon. Im Frühjahr war er wieder vor Ort und hofft auf Unterstützung aus Deutschland für das durch Krieg und Wirtschaftskrisen gezeichnete Land.
Der Libanon galt lange als die „Schweiz des Nahen Ostens“. Heute lebt rund die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Inflation, politische Instabilität, ökonomische Krisen und immer wieder aufflammende Gewalt haben das Land schwer getroffen. Die Lage hat sich Anfang März 2026 erneut dramatisch verschärft: Nach einer militärischen Eskalation zwischen Israel, dem Iran und der Miliz Hisbollah wurde auch der Libanon stärker in den regionalen Konflikt hineingezogen. Nach Angaben der libanesischen Regierung wurden inzwischen rund 760.000 Menschen im Land vertrieben. Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen.
In Naameh, etwa 20 Kilometer von Beirut entfernt, betreibt die libanesische Hilfsorganisation Annas Linnas die Schule „Beit Al Mahabbah“ – das „Haus der Liebe“. Gegründet wurde sie 2009. Als 2011 der Krieg in Syrien ausbrach, fanden vor allem syrische Flüchtlingskinder Aufnahme in der Schule. Inzwischen ist ein Teil von ihnen in ihre Heimat zurückgekehrt. Heute werden dort syrische, libanesische und palästinensische Kinder unterrichtet – nahezu alle stammen aus Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben und sich reguläre Bildung kaum noch leisten können.
Unterstützung aus Franken
Eine wichtige Rolle spielt die Unterstützung aus Oberfranken. Das Erzbistum Bamberg spendet seit Jahren 12.000 bis 15.000 Euro für das Projekt. Auch die Pfarrei im oberfränkischen Stegaurach engagiert sich stark und unterstützt die Schule regelmäßig mit 12.000 bis 15.000 Euro.
Das Engagement hat eine persönliche Geschichte: Der Gründer von Annas Linnas, der griechisch-melkitische Priester Abdo Raad, war einst Studienkollege von Pfarrer Walter Ries, dem früheren Leitenden Pfarrer in Stegaurach, der seit Ende 2024 Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Gottesgarten in Bad Staffelstein ist. Seitdem besteht eine enge Verbindung.
Pfarrer Walter Ries war bereits sieben- bis achtmal selbst im Libanon, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Es ist sehr traurig, die Folgen des Krieges zu sehen und die Schäden, die er hinterlassen hat“, sagt er. „Früher war der Libanon ein wirtschaftlich prosperierendes Land. Heute lebt die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.“
Inflation und Alltag in der Krise
Schon vor der jüngsten Eskalation litt der Libanon unter einer massiven Wirtschaftskrise. Die Landeswährung hat dramatisch an Wert verloren, die Inflation ist extrem hoch. „Wir haben etwas Süßes für die Kinder gekauft und 2.095.000 libanesische Pfund bezahlt – das sind 23 Dollar“, berichtet Ries. Die Währung hat dramatisch an Wert verloren. Zudem herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Menschen, die noch eine Arbeit haben, werden oftmals verspätet oder gar nicht mehr entlohnt. „Beamte in manchen Ministerien arbeiten nur noch einen Tag in der Woche, weil sie so wenig verdienen“, so Ries.
Bei seinem letzten Besuch im Januar schilderte er die schwierigen Lebensumstände: „Es war kalt, sehr kalt. Es gibt keine Heizung. Alle sitzen mit Mantel, Schal und Mütze in ihren Wohnungen. Mich fror es wie einen Hund. Aber bei den Kindern war so viel Freude – sie haben sich über unseren Besuch gefreut, haben gelacht und gespielt. Das war kaum zu fassen, in einem so von Wirtschaftskrisen und Konflikten geprägten Land.“
Unterricht trotz Krieg
In der Schule wurden all die Jahre rund 220 – 240 Jungen und Mädchen ab der ersten Klasse unterrichtet. Die Lehrer geben an fünf Tagen pro Woche Unterricht – trotz schwieriger Bedingungen. Das Schuljahr 2024/25 war vom erneut aufflammenden Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah überschattet. Phasenweise konnte kein Präsenzunterricht stattfinden. Doch die Lehrkräfte reagierten flexibel: Sie verteilten Lernmaterialien und Aufgaben per Messenger-Dienst an ihre Schülerinnen und Schüler, um den Unterricht zumindest teilweise aufrechtzuerhalten.
Bildung als Schutz vor Radikalisierung
Angesichts der wirtschaftlichen Not und der fehlenden Perspektiven sind junge Menschen besonders gefährdet. „Bildung ist das Einzige, was diesen jungen Menschen helfen kann, eine Perspektive für die Zukunft zu haben und einen Job zu finden“, betont Pfarrer Ries.
Ohne Perspektive droht Abwanderung – oder die Anwerbung durch Milizen, die mit finanziellen Anreizen locken. Die Schule bietet daher nicht nur Unterricht, sondern auch Stabilität, Gemeinschaft und Hoffnung.
Spendenmöglichkeiten
Die Arbeit von Annas Linnas finanziert sich überwiegend durch Spenden. Benötigt werden Mittel für:
- Gehälter von Lehr- und Verwaltungspersonal
- Miete des Schulgebäudes
- Unterrichtsmaterialien
- Unterstützung für Familien, die das Schulgeld nicht zahlen können
Spenden sind möglich:
Volksbank Raiffeisenbank Obermain eG
Katholische Kirchenstiftung St. Kilian
IBAN: DE37 7706 2139 0000 0428 54
Stichwort „Libanon“