Ruhe bitte, Aufnahme!

Oben sein, Aussicht haben, nichts mehr über sich wissen außer Sonne, Wolken und Wind. Wir müssen gar keine Bergsteiger sein, um diese Sehnsucht zu begreifen. Sie steckt scheinbar in uns allen.Wer besucht schon den Obermain, ohne sich nicht einmal auf den Staffelberg zu bemühen. Fast jede Urlaubsgegend hat ihren Aussichtsberg, ihr Plateau. Oben zu stehen, das verbinden wir im Urlaub mit dem Gefühl des Herauskommens aus den Tälern des Banalen. Aus dem Klein-klein des Alltags. Sorgen und Nöte weit unten lassen: Ich bin oben angekommen. Ich darf durchatmen. Ich verschaffe mir Überblick.Und: Wo schmeckt Seidla und Brotzeit besser als an solchen Orten? Hier oben dreht die Lautstärke ab. Der Lärm tritt zurück. Autobahn, Zugtrasse, städtisches Straßengewirr: bestenfalls noch sichtbar, aber nicht mehr zu hören. Es herrscht Stille. Auf den großen und kleinen Gipfeln der Uraubswelt darf unser Leben ein wenig zur Ruhe kommen.
Und gleichzeitig, oder vielleicht gerade deshalb, meinen wir Menschen, an solchen Orten Gott ein wenig näher zu sein. Das liegt nicht nur am volkstümlichen Glauben, er wäre da oben im Himmel, und wir sind jetzt ein Stück zu ihm empor gestiegen. Es bedarf auch eben dieser Ruhe.Unsere biblische Tradtion weiß um viele Berggeschichten. Von Gott als einen, der sich gerade in solchen Momenten offenbart. Oben und dort, wo es still wird. Der Prophet Elija zum Beispiel: Zum Gottesberg zieht es ihn. Hier erscheint ihm Gott vor dem Angesicht. Kein gewaltiger Donner, nicht Blitz und Feuer, nicht Lärm oder Sensation, nein, im leichten, kaum vernehmbaren Säuseln ist Gott. Inmitten der Ruhe, des Still Werdens. Dort, wo endlich alles einmal den Mund hält. Neues, gar Wundersames zu erleben und aufzunehmen, setzt das zur Ruhe kommen voraus. Manche fahren und fliegen dafür tausende Kilometer in den Urlaub. Andere setzen sich einfach auf den nächsten Hügel, schweigen und staunen.
joel