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„Weibliche Tradition in der Kirche wird oft verkannt“

Frauenausstellung
Datum:
Veröffentlicht: 26.6.23
Von:
Marion Krüger-Hundrup / Harry Luck

Diözesanmuseum bringt mit „Frauen.Taten.Werke“ historische Frauenbilder ins Heute

Bamberg. Das Diözesanmuseum zeigt Auftragswerke von zeitgenössischen Künstlerinnen, die bedeutende Frauenfiguren aus der Kirchengeschichte ins Heute übersetzen – gegen das Verschweigen von weiblichen Traditionslinien in einer patriarchalischen Kirche. Bei der Vernissage sprachen Influencerin Kira Beer und Äbtissin Mechthild Thürmer über das Regelbrechen.

„Frauen.Taten.Werke.12 Dialoge Contemporary“ ist der Titel der Ausstellung, die noch bis 10. Oktober zu sehen ist. Den Ausstellungsmacherinnen – die Referentinnen für Frauenpastoral im Erzbistum Bamberg Susanne Grimmer und Anne-Kathrin Eisenbarth-Goletz, Museumschefin Carola Marie Schmidt sowie Birgit Kastner als Leiterin der Hauptabteilung Kunst und Kultur – ist mit dieser Schau ein spektakulärer Wurf gelungen. Denn zwölf international tätige, allesamt akademisch ausgebildete Künstlerinnen übersetzen in Malerei, Grafik, Skulptur, Installation tradierte Frauenbilder aus Bibel und Kirche ins Heute. Historische Frauenpersönlichkeiten, die im Spannungsfeld von unterordnenden Traditionen und Selbstverwirklichung, gesellschaftlichen Zwängen und persönlicher Berufung wirkten.

„Die große weibliche Traditionslinie in der Kirche wird oft verkannt und verschwiegen“, beklagte Frauenreferentin Eisenbarth-Goletz. Und Museumsleiterin Schmidt zeigte zustimmend auf einen Schaukasten mit Zitaten, die zum Beispiel lauten: „Kirche braucht Frauen.“ Oder: „Ich will nicht, dass Kirche so bleibt wie sie ist. Ich will sie verändern.“

Tatsächlich ermutigt die Präsentation einer überaus stimmigen Ausstellungsarchitektur zum Dialog über die Botschaften, die die Auftragswerke verdichtet erzählen. Die von einer Jury gewählten Künstlerinnen Marion Albrecht, Rosa Brunner, Anne Fischer, Kerstin Himmler, Nina Knöll, Ivana Koubek, Anna-Maria Kursawe, Margarete Schrüfer, Linda Schumann, Corinna Smok, Lisa Wölfel und Elke Zauner haben selbst den dialogischen Prozess in der Entstehungsphase ihrer Kunstwerke gewagt. Sie führten sozusagen stumme Zwiegespräche mit Maria, Maria Magdalena, Kunigunde, Clara von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Caritas Pirckheimer, Christine Ebner, Mary Ward, Ellen Ammann, Luise Löwenfels, Tecla Merlo und Frauen heute. Sie setzten das vernehmlich von diesen Frauenfiguren Zugesprochene mit verschiedenen Techniken um.

Den Künstlerinnen standen jeweils Bezugspersonen zur Seite. Mentorinnen, alle theologisch oder historisch gebildete Frauen, ließen ihr Wissen, ihre Glaubenserfahrung und eigene Texte in den dialogischen Entstehungsprozess einfließen.

Die Dillinger Franziskanerinnen Schwester Pernela Schirmer und Schwester Martina Schmidt haben beispielsweise der Leipziger Künstlerin Lisa Wölfel die heilige Clara von Assisi (1193-1253) nahe gebracht. Lisa Wölfel, die in Haßfurt aufwuchs, war nach eigenen Worten gepackt von dieser „spannenden Frau Clara, die ihr bewusstes Leben in Armut als Privileg verstand“. Wölfels „Klara, die Große“ empfängt den Ausstellungsbesucher beim Rundgang und kann durchaus einen Schockmoment auslösen. Die raumgreifende „Klara“ erstreckt sich über die Wand und ergießt sich förmlich über den Boden. Die Frauenfigur ist nackt, muskulös, von Krankheiten gezeichnet und verharrt in Startposition wie eine Sportlerin, die sich auf ein Rennen vorbereitet. „Ihre Muskeln zeugen von der Kraft zur frei gewählten Entscheidung für Armut“, erläutert die Künstlerin Klara als Frau und Kämpferin, die wisse, was sie wolle.

Leider seien Frauen viel zu lange viel zu wenig im Blick des öffentlichen Interesses gewesen, sagte Weihbischof Herwig Gössl bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend im Dom. Viele Heilige seien verehrt worden, obwohl sie Frauen waren und sich in einer männerdominierten Welt durchgesetzt hätten. Die in der Ausstellung gewürdigten Frauen sollten durch ihre Taten und Werke besser wahrgenommen werden als bisher, sagte der Weihbischof und wünschte der Ausstellung eine „segensreiche Wirksamkeit“. Museumsleiterin Schmidt ergänzte, die Ausstellung sei „ein Spiegel unserer Gesellschaft und der Fähigkeit, in den Dialog zu treten“.

In einem Podiumsgespräch vor dem Kaisergrab mit der Äbtissin von Kirchschletten, Mutter Mechthild Thürmer, und der Influencerin Kira Beer wurde deutlich, dass Frauen, wenn sie etwas bewirken wollen, auch mal die Gewohnheiten und Regeln brechen müssen. Mutter Mechthild berichtete von dem Kirchenasyl, das sie hinter Klostermauern Flüchtlingen gewährt hat und deshalb vor Gericht stand. „Das war kein besonderer Mut, das ging nicht anders. Ich musste einfach helfen“, sagte sie und ergänzte: „Ich würde es wieder machen.“ Und als konkrete Handlungsempfehlung gab sie den Zuhörenden mit: „Immer das tun, was das Herz sagt. Ich habe nie Angst gehabt und immer gespürt, dass Menschen für mich gebetet haben.“

Kira Beer, die mit ihrem Instagram-Account sehr persönlich Tag für Tag über ihren Glauben, ihr Leben sowie ihre Freuden und Krisen berichtet, stimmte der Äbtissin zu und rief auf, mutig alles auszusprechen, was einen bewegt. Die Initiative „Out in Church“ und das veränderte Arbeitsrecht in der Kirche seien ein Paradebeispiel dafür, dass sich etwas bewege. „Manchmal müssen wir kollektiv Regeln brechen, dann haben wir eine Chance“, sagte die Theologiestudentin und fügte mit Blick in das Publikum hinzu: „Sorry, wenn das jetzt zu revolutionär war.“

Derart eingestimmt strömten die Besucherinnen und Besucher der Vernissage in das Diözesanmuseum, nutzten das virtuelle Gästebuch und stellten sich dank Abreißblöcken an den einzelnen Kunstwerken individuell ihren „To-go-Katalog“ zusammen. Obendrein gibt es einen Podcast zur Ausstellung von und mit der Historikerin Nadja Bennewitz, die in die geschichtlichen Epochen einführt.

Weiterführende Informationen wie regelmäßige Termine von Führungen , der Podcast, das Begleitprogramm und ein Online-Katalog sind auf der Website des Museums abrufbar: www.dioezesanmuseum-bamberg.de.